Weiße Neuseeländer

Der Weiße Neuseeländer ist eine mittelgroße, auffallend blockige, reinweiße Kaninchenrasse von etwa 4-5 kg Gewicht. Es handelt sich im Gegensatz zum Beispiel zum Weißen Wiener um einen echten Albino. Der weiße Neuseeländer ist ein typisches Wirtschaftskaninchen mit einem auf Frohwüchsigkeit und gute Fleischausbeute gezüchteten Typ, der durch seine kompakte Form, breiten Kopf und vergleichsweise kurze Ohren auffällt.

Geschichte des Weißen Neuseeländers

Der Weiße Neuseeländer wurde zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in den USA als Wirtschaftskaninchen gezüchtet. Welche Rassen an seiner Entstehung beteiligt waren, ist nicht mit Sicherheit bekannt, neben dem Roten Neuseeländer sollen Weiße Riesen und Angorakaninchen eingekreuzt worden sein. Die Rasse wurde in den USA als die beste Wirtschaftsrasse angepriesen und nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa eingeführt. In Deutschland wurden die Weißen Neuseeländer erstmals bei der Europa-Schau in Essen 1960 und der Landwirtschaftsausstellung in Markkleeberg 1964 gezeigt. Durch seine sehr guten Nutzeigenschaften breitete sich der Weiße Neuseeländer sehr stark aus, besonders in der DDR war er weit verbreitet, auch bedingt durch die Förderung der privaten Kaninchenhaltung. Kaninchen dieses Typs werden weltweit zur Fleischerzeugung gehalten, Sandford weist auch auf die Bedeutung des Weißen Neuseeländers als Labortier hin.

Ähnliche Rassen

Der Rote Neuseeländer ist ein leuchtend rot gefärbtes Tier vom gleichen Fleischkaninchentyp. Der Schwarze Neuseeländer ist, seinem Namen entsprechend, einfarbig schwarz. In Großbritannien ist auch ein Blauer Neuseeländer anerkannt, seine Farbe entspricht der der Blauen Wiener. Es handelt sich bei diesen Kaninchenrassen nicht um Farbenschläge einer Rasse, sondern um selbstständige Rassen mit einem ausgeprägt blockigen Körperbau.

Ein ähnliches Fleischkaninchen, das auch unter Verwendung des Weißen Neuseeländers gezüchtet wurde, ist der Kalifornier.

Literatur

  • J. Broekhuis; D. W. H. Krooshof: Rasbeschrijfing van de Rus, Californian, Nieuwzeelander, Nederlandse Russen, Californian & Witte Nieuwzeelander Club, 1996.
  • Friedrich Karl Dorn, Günther März: Rassekaninchenzucht. Ein Handbuch für Kaninchenhalter und -züchter, 7. Auflage, Neumann, Leipzig / Radebeul 1989, ISBN 3-7888-0569-2.
  • Dieter Dress: Untersuchungen zum Einfluss von unterschiedlich wärmetoleranten Kaninchen der Rasse Weisse Neuseeländer auf die Mastleistung ihrer Nachkommen unter höheren Umgebungstemperaturen. Hannover 1986, DNB 870807765 (Dissertation TiHo Hannover 1986, 88 Seiten).
  • Friedrich Joppich: Das Kaninchen, 4. Auflage, Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1969, DNB 574147241.
  • John C. Sandford: The domestic rabbit, 5th edition, Blackwell Science, Oxford 1996 ISBN 0-632-03894-2 (englisch).
  • Wolfgang Schlolaut, Klaus Lange: Das große Buch vom Kaninchen, 2. Auflage, DLG, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-7690-0554-6.
  • Victor Sotto: Wachstumsverlauf und Schlachtkörperqualität von Weissen Neuseeländer-Kaninchen, Rostock 1983, DNB 840690711 (Dissertation A Universität Rostock 1983, 91 Seiten).

Weißgrannen

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Das Weißgrannenkaninchen ist eine mittelgroße Kaninchenrasse von etwa 3,5 kg Gewicht.

Aussehen des Weißgrannenkaninchens

Weißgrannenhäsin

Farblich ist das Weißgrannenkaninchen gekennzeichnet durch eine einfarbig dunkle Oberseite, weiße Bauchseite und Unterseite der Blume. Die Kopfzeichnung umfasst die weißen Augenringe, weiße Einfassungen der Nasenlöcher, Kinnbackeneinfassung sowie weiße Ohrumrandung die sich im Genickkeil fortsetzt. Die weiße Ohrumrandung soll als kleiner weißer Fleck zwischen den Ansatzstellen der Ohren sichtbar sein. Die weiße Farbe des Bauches setzt sich in Form weißer Grannenhaare in einem etwa handbreiten Band an Brust, Flanken und Hinterteil fort. Zu dieser Farbverteilung kommt es durch Kombination des Lohfaktors, einer Mutation des Wildfarbigkeitsfaktors, bei dem die Verteilung der Farbzonen im Kaninchen aufgehoben ist, die typischen Wildfarbigkeitsabzeichen aber erhalten bleiben mit dem Chinchillafaktor, einem Allel der Albinoserie, bei der kein gelbes Pigment im Haar ausgebildet wird. Das ähnliche Lohkaninchen hingegen besitzt zusätzliche Gelbverstärker, die zur leuchtend gelben Farbe der Abzeichen führen.

Weißgrannenkaninchen sind in den Farbschlägen schwarz, blau und havannafarbig anerkannt, dabei ist der schwarze Farbenschlag der häufigste, der havannafarbige macht etwa 10 % der gezeigten Weißgrannen aus.

Die entsprechenden Erbformeln lauten:

  • Schwarz: AchiBCDgo (Deutsche Symbolik) bzw. atBCch2DE (Englische Symbolik)
  • Blau: AchiBCdgo (Deutsche Symbolik) bzw. atBCch2dE (Englische Symbolik)
  • Havannafarbig: AchiBcDgo (Deutsche Symbolik) bzw. atbCch2DE (Englische Symbolik)

Geschichte des Weißgrannenkaninchens

Weißgrannenkaninchen sind, wie andere Kaninchenrassen auch, mehrmals unabhängig voneinander entstanden. In Deutschland zeigte sie als erster Friedrich Joppich 1928 auf der Edelpelztierschau in Berlin unter dem Namen Deutsches Silberfuchskaninchen. Nach seinen Angaben tauchten Tiere dieser Farbe häufig in Würfen insbesondere englischen Chinchillakaninchen auf. Das ist nicht verwunderlich, erwähnt doch auch Sandford die starke Aufspaltung der ersten Chinchillakaninchen und die Einkreuzung von Lohkaninchen.
Joppich erwähnt, dass auch diverse andere Züchter in Deutschland und anderen Ländern Kaninchen von der Färbung der Weißgrannen in Würfen von Chinchillakaninchen vorfanden und teilweise als eigenständige Rassen weiterentwickelten. So wurde diese Rasse 1933 als Zilvervos (Silberfuchs) in den Niederlanden anerkannt.
Um Joppichs Silberfuchskaninchen wurde es in Deutschland wieder ruhiger, erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rasse in Deutschland neu gezüchtet, so von Kläre Geißler aus Bad Klosterlausnitz, die 1949 erneut zwei Jungtiere dieser Zeichnung in einem Wurf von Kleinchinchillakaninchen fand und die Rasse 1951 ausstellte. Auch zu dieser Zeit kam es zur unabhängigen Entstehung der Rasse an verschiedenen Stellen, so in Landshut, Pfaffenhofen und Ilmmünster. Die Angaben zur Anerkennung der Rasse im Standard schwanken etwas zwischen 1957 und 1962.
Heute sind Weißgrannenkaninchen verbreitet, ohne sehr häufig zu sein; Majaura gibt an, dass 2004 1,3 % aller in Deutschland aufgezogenen Jungtiere Weißgrannenkaninchen gewesen seien.

Ähnliche Rassen

Das Lohkaninchen zeigt eine ähnliche Verteilung der Farbfelder, hat jedoch leuchtend gelb gefärbte Abzeichen.
In anderen Ländern ist das Weißgrannenkaninchen als Silberfuchs bekannt. (eng. Silver Fox, niederl. Zilvervos).

Die Farbe des Weißgrannenkaninchen existiert als Farbenschlag der Farbenzwerge.

Literatur

  • Schlohlaut, W.: Das große Buch vom Kaninchen. 2. Auflage, DLG-Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 3-7690-0554-6
  • Sandford, J.C.: The domestic rabbit. 5th edition, Blackwell Science, Oxford 1996, ISBN 0-632-03894-2
  • Joppich, F.: Das Kaninchen, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin, 1967
  • Dorn, F.K.; März, G.: Rassekaninchenzucht, 5. Auflage, Neumann-Verlag, Leipzig-Radebeul, 1981
  • Majaura, H..: Weißgrannen, Der Kleintierzüchter -Kaninchen, 7/2000, S. 4/5, ISSN 1613-6357

Weblinks

 Commons: Weißgrannen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Markus Eber: Weißgrannen (PDF; 18,7 MB), Preisrichterschulung Entente Européenne d’Aviculture et de Cuniculture, März 2012



Weiße Hotot

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Hototkaninchen

Das Weiße Hotot oder Hototkaninchen ist eine mittelgroße Kaninchenrasse von 4 bis 5 kg Gewicht.

Aussehen und Besonderheiten der Hototkaninchen

Hotot sind fast reinweiß, lediglich ein 3 – 5 mm breiter Ring um die Augen ist schwarz gefärbt. Die Augenfarbe der Rasse ist braun. Interessanterweise ist es so, dass dieser schmale schwarze Augenring die eigentliche Grundfarbe des Kaninchens ist. Die weiße Farbe hingegen, stellt eine zusammengeflossene Scheckung dar. Zustande kommt diese Zeichnung durch Kombination der Punkt- und Plattenscheckung (Genetik des Hauskaninchens) Die Hotot sind bezüglich der Punktscheckung spalterbig, im Gegensatz zu den Punktscheckenrassen ist ihre Nachkommenschaft jedoch meist standardgerecht gezeichnet. Hotot gelten als sehr fruchtbare und frohwüchsige Rasse. Ihre Erbformel kann mit

ABCDg K s1s2../ABCDg k s1s2 (deutsche Symbolik)

aBCDE en dud/ aBCDE En duw (englische Symbolik)

angegeben werden. Der Name der Rasse ist abgeleitet vom Wohnort der Herauszüchterin.

Geschichte der Rasse

Die Rasse wurde durch Selektion aus schwach gezeichneten französischen Scheckenkaninchen entwickelt. Hototkaninchen wurden erstmals 1912 von der Herauszüchterin Eugenie Bernard aus Hotot en Auge in Nordfrankreich in auf einer Ausstellung gezeigt und 1922 in Frankreich als Rasse anerkannt. Von Frankreich aus gelangte die Rasse 1927 in die Schweiz, wo die sich rasch verbreitete. 1930 importierte Joppich das Hototkaninchen aus der Schweiz nach Deutschland, wobei es bis nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenig verbreitet war. Da sich die Zuchtbestände fast ausschließlich in der DDR befanden, erfolgte 1959 ein erneuter Import durch Kissner in Darmstadt, der ebenfalls Tiere aus der Schweiz bezog. 1961 wurde das Hototkaninchen in den deutschen Standard aufgenommen.

Ähnliche Rassen

Die Hototzeichnung tritt auch als Farbenschlag bei den Farbenzwergen auf.
Gleichzeitig mit den Hotot entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland eine ähnliche, durch Verdrängungszucht aus Schecken hervorgegangene Rasse, das Husumer Blauauge des Züchters Hermann Ziemer aus Arnstadt, der die Rasse nach seinem früheren Wohnort Husum benannte. Da Ziemer seine Zucht im Ersten Weltkrieg aufgeben musste, ist das Husumer Blauauge wieder ausgestorben.

Kaninchenrasse des Jahres 2007

Bei der 2007 vom Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter erstmals veranstalteten Wahl einer „Kaninchenrasse des Jahres“ wurde das Hototkaninchen zur Rasse des Jahres gewählt.[1]

Literatur

  • Friedrich Joppich: Das Kaninchen, Berlin, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, 1967
  • U. Reber: Vom Schmetterlingskaninchen zum Weißen Hotot, in: Der Kleintierzüchter – Kaninchen 1/2006 ISSN 1613-6357
  • Wolfgang Schlolaut: Das große Buch vom Kaninchen, 2. Auflage, DLG-Verlag, Frankfurt 1998 ISBN 3-7690-0554-6

Einzelnachweise

  1. Hochspringen http://www.rkz-forum.de/forum-rkz/forum/index.php?page=Thread&threadID=1457



Van Beveren

Die van Beveren sind eine mittelgroße, aus Belgien stammende Kaninchenrasse. In Deutschland sind die van Beveren nicht als Rasse anerkannt.

Aussehen der van Beveren

Die van Beveren unterscheiden sich von den anderen Kaninchen durch ihren Körperbau. Die Körperform der van Beveren gleicht einer umgekehrten Mandoline oder einer längs aufgeschnittenen Birne. Die Hinterpartie ist stark entwickelt und so breit wie hoch, zu den Schultern zu wird der Körper schmaler, die aufsteigende Rückenlinie soll eine vollkommene Rundung bilden. Während die Hinterläufe kräftig sind, werden die Vorderläufe fein verlangt. Das Gewicht der van Beveren beträgt 3,5 bis 4,5 kg.

Geschichte der Rasse

Die Rasse stammt aus Beveren-Waas, über ihre Entstehung ist wenig bekannt. Sandford erwähnt die Möglichkeit, dass die van Beveren aus Kreuzungen zwischen Blauen Wienern und Blauen von St. Niklaas entstanden sein könnten. Die erste Sonderschau für diese Rasse fand 1902 statt. Bereits 1915 gelangte die Rasse nach Großbritannien, wo weitere Farbschläge gezüchtet wurden. Dabei sollen zwei Schläge dorthin gebracht worden sein, ein leichterer Schlag von etwa 2,5 kg und ein schwerer. In Großbritannien entstanden rasch weitere Farbschläge, so ein schwarzer (1919 erstmals als “Sitka” gezeigt), sowie ein brauner.

Farbenschläge

  • Blau:
Genetisch entspricht das Blau der Blauen van Beveren dem Blauen Wiener, wird jedoch heller gezüchtet, im Prinzip eine Zwischentönung zwischen Blauen Wienern und Marburger Feh.
  • Weiße van Beveren
Weiße van Beveren sind reinweiße, blauäugige leuzistische Tiere. In Großbritannien und Belgien ist der auch der rotäugige albinotische Farbenschlag bekannt.
  • Schwarz, zugelassen in Belgien und Großbritannien
  • Pointed Beveren
Eine britische Rasse die in den Farbenschlägen schwarz und blau in den zwanziger Jahren entwickelt wurde. 1928 als Pointed Fox in Großbritannien als Rasse anerkannt, 1931 wurde die Rasse in Pointed Beveren umbenannt, starb aber bereits in den dreißiger Jahren wieder aus und wurde in den 1980er Jahren erneut gezüchtet. Die Tiere gleichen im Bau und Gewicht völlig den van Beveren, von denen sie sich durch weißgespitzte, am ganzen Körper verteilte Haare unterscheiden.

Literatur

  • Officielle Stadaard van de in Belgie erkende Konijnen- en Caviarassen, Samengesteld door de Belgische Stadaard Comissie, Sectie Konijnen, Uitgave 1995
  • Standaard van de in Nederland erkende Konijnenrassen, Cavia´s en kleine Knaagdieren, Nederlandse Konijnenfokkersbond, Venlo, 1990
  • P. Fritz: Belgische Kaninchenrassen – faszinierend und kaum bekannt, Teil 1: Einfarbige Rassen, in: Der Kleintier-Züchter-Kaninchen, 11/2006, ISSN 1613-6357
  • John C. Sandford: The domestic rabbit. 5th edition, Blackwell Science, Oxford 1996, ISBN 0-632-03894-2

Tschechisches Rotes Kaninchen

Das Tschechische Rote Kaninchen (Tschechisch Český červený králík) ist eine kleine (2,5–3,2 kg), einfarbig rotbraune Kaninchenrasse aus Tschechien. Das Tschechische Rote Kaninchen wurde von Theodor Svoboda aus Modřany (bei Prag) aus gelben „Stallkaninchen“ unter Verwendung von Lohkaninchen herausgezüchtet. Nachdem er die Rasse 1950 zum ersten Mal vorstellte, erfolgte die Anerkennung 1959. Es gibt etwa 150 offiziell registrierte gezüchtete Tiere.

Die Erbformel der Tschechische Roten Kaninchen ist AA bb CC DD GG y3y3.

Ähnliche Rassen

In Größe und Farbe entspricht das Sachsengoldkaninchen dem Tschechischen Roten Kaninchen weitgehend, das Rote Neuseeländerkaninchen zeigt die gleiche Fellfarbe, ist jedoch mit 4–5 kg deutlich größer und schwerer.

Literatur

Thüringer

Das Thüringerkaninchen ist eine mittelgroße Kaninchenrasse (Gewicht 3,5 bis 4,25 kg) mit charakteristischer Farbe.

Aussehen des Thüringers

Die Deckfarbe der Tiere ist gelbbraun bis gelbrot, Über dieser Deckfarbe liegt ein rußartiger Schleier, der Kopf und die Ohren sowie ein Streifen, der sich am Bauch entlangzieht und die Außenseite der Läufe und die Blume umfasst.
Genetisch ist der Thüringer ein einfarbig gelbes Tier, die Erbformel lautet:
AbCDg (Deutsche Symbolik) bzw. aBCDe (Englische Symbolik).

Geschichte des Thüringers

Das Thüringerkaninchen entstand bei Versuchen des Lehrers David Gärtner (1841–1927) aus Waltershausen in Thüringen, der das Ziel verfolgte, durch Kreuzung von Russenkaninchen, Silberkaninchen und Belgischen Riesen ein vergrößertes Russen und Schwarzsilberkaninchen zu züchten. Er stellte diese Tiere auch auf Schauen vor, stieß aber auf Ablehnung der entsprechenden Clubs. Zufällig war bei diesen Versuchen ein Tier von der heutigen Farbe der Thüringer gefallen, durch Rückpaarung an das Muttertier erhielt er weitere Tiere dieser Farbe. Auf Grund ihrer an Gämsen erinnernden Farbe nannte er sie Chamois, nach der französischen Bezeichnung der Gämse. (Teilweise wurde dieser Name in der älteren Literatur auch phonetisch als Schamoa wiedergegeben). Gärtner warb durch Fachaufsätze für die neue Rasse, war aber durch Zurückweisung seiner Großrussen und Großsilber verbittert und stellte selbst keine Kaninchen mehr aus. Der Züchter Emil Piegsa gründete 1905 einen Spezialclub für Thüringer, allerdings ohne Beteiligung Gärtners. Zusammen mit Max Fischer entwarf Piegsa eine Rassebeschreibung und zeigte 1906 Thüringer zum ersten Mal auf einer Ausstellung. Die Rasse wurde jedoch als zu groß empfunden; erst nach dem das Gewicht etwas verringert worden war, erfolgte 1908 in Hannover die Anerkennung als „Gemsfarbige Thüringer“.
Joppich erwähnt, dass die Thüringer der Anfangszeit sich gegenüber anderen Rassen durch besonders breit auseinander stehende Ohren ausgezeichnet hätten und äußert den Verdacht, das auch Widderkaninchen, die bereits zu dieser Zeit in gelb und madagaskarfarbig existierten, an der Entstehung der Rasse beteiligt waren. Im Übrigen wird auch erwähnt, dass Gärtners Großrussen und große Schwarzsilber waagerecht vom Kopf abstehende Ohren gehabt haben sollen.
Der Züchter Karl Maul aus Diemitz begann bald darauf durch Einkreuzung von Hasenkaninchen und Riesenkaninchen einen schwereren Typ des Thüringers als Wirtschaftsrasse zu züchten, die so genannten „Diemitzer Gemsen“, die sich durch ausgesprochen dichte Felle ausgezeichnet haben sollen, wie Joppich schreibt. Beide Schläge wurden in den Reichsbewertungsbestimmungen zur Rasse „Thüringer“ zusammengelegt und ein mittleres Gewicht gefordert.
Heute sind Thüringer eine regelmäßig gezeigte, wenn auch nicht sehr häufige Rasse.

Ähnliche Rassen

Zwergwidder mit Thüringerfärbung

Die Thüringerfarbe ist auch bei anderen Rassen als Farbschlag anerkannt. Teilweise wird die Farbe auch als „madagaskar“ oder „Schildpatt“ (englische tortoise oder tortoiseshell) bezeichnet.

Das Sallander ist eine niederländische Rasse, die von D. J. Kuiper aus der Gegend Salland gezüchtet wurde. Genetisch handelt es sich um eine Kombination des Thüringers mit dem Chinchillafaktor. Sallander sind weiße braunäugige Tiere (der niederländische Standard spricht von „gebrochen weiß“), die schwarzen Grannen bilden hier die typischen Abzeichen des Thüringers.

Das Separatorkaninchen zeigt bei insgesamt deutlich hellerer (sandfarbener) Grundfarbe ähnliche Abzeichen wie der Thüringer.

Literatur

  • Thüringerkaninchen, in: Der Kleintierzüchter – Kaninchen 20/2006 ISSN 1613-6357
  • Friedrich Karl Dorn und Günther März: Rassekaninchenzucht. Ein Handbuch für Kaninchenhalter und -züchter, 7. Auflage Augsburg 1989 ISBN 3-8944-0569-4
  • Friedrich Joppich: Das Kaninchen, Berlin, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, 1967
  • Wolfgang Schlolaut: Das große Buch vom Kaninchen, 2. Auflage, DLG-Verlag, Frankfurt 1998 ISBN 3-7690-0554-6

Weblinks

  • Stefan Ackermann: Thüringer (PDF; 1,1 MB), Preisrichterschulung Entente Européenne d’Aviculture et de Cuniculture, März 2011
QUELLE: WIKIPEDIA



Teddykaninchen

Teddykaninchen mit Stehohren

Teddykaninchen mit Schlappohren

Teddywidder mit besonderer Fellzeichnung.

Die Teddykaninchen sind Kaninchenrassen, die sich von anderen Zwergkaninchen durch ihr am ganzen Körper langes dichtes und weiches Fell unterscheiden. Mit einem Lebendgewicht von unter 2 kg werden sie zu den typischen Vertretern der Zwergkaninchenrassen gerechnet.

Merkmale

Kennzeichnend für Teddykaninchen ist der Fellkeil, der die Rasse von anderen anerkannten kleinen Langhaarkaninchen unterscheidet und das weiche Fell, das auch bei Alttieren erhalten bleibt. Es wird, im Gegensatz zum Fell der Angorakaninchen, nicht geschoren und unterliegt dem normalen Fellwechsel.

Bei den Teddykaninchen sind alle Scheckungen erlaubt; es gibt sie mittlerweile in vielen verschieden Farben und Zeichnungen, häufig mit blauen Augen. Entsprechend ihrer Ohrhaltung werden die Teddykaninchen in Teddyzwerge mit stehenden und Teddywidder mit herabhängenden Ohren unterschieden.

Teddyzwerg

Das Gewicht der ausgewachsenen Teddyzwerge liegt zwischen 800 und 1700 g. Häsinnen sollten ein Gewicht ab 1100 g haben, da zu kleine Häsinnen zur Zucht kaum geeignet sind. Das Idealgewicht bei einer Teddyzwerghäsin liegt bei 1350 g.

Das Gewicht des ausgewachsenen Rammlers kann zwischen 1000 und 1500 g liegen, wobei auch hier das Idealgewicht in Anlehnung an den Farbenzwerg 1350 g beträgt. Die Form des Körpers ist in der Regel kurz, gedrungen und walzenförmig. Er wirkt von vorn bis hinten gleichmäßig breit. Das Becken ist gut gerundet, die Läufe sind kurz, klein und feingliedrig. Die Blume liegt fest an.

Häsin und Rammler unterscheiden sich nur gering. Beide sind frei von Wammenansatz und Wamme. Das Fell sollte am ganzen Körper lang sein. Es sind alle Farben und Scheckungen erlaubt.

Trotz des langen Fells, muss darauf geachtet werden, dass es relativ pflegeleicht bleibt, es darf auf keinen Fall zur schnellen Verfilzung neigen. Der Kopf soll bei Rammler und Häsin eine breite Stirn aufweisen. Im Vergleich zum Körper wird ein markanter, kurzer und dicker Kopf angestrebt. Der Hals ist sehr kurz und kaum erkennbar. Die Augen sind groß und treten unter kräftigen Augenknochen hervor. Bei den Ohren ist die ideale Länge 5 bis 6,3 cm.

Die Ohren stehen nicht sehr eng zusammen, um dem üppigen Langhaar genügend Platz zu bieten. Außerdem sind sie abgerundet und recht stark behaart. Der genetisch verankerte Zwergenwuchs ist bei den Teddyzwergkaninchen nicht erwünscht und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Teddywidder

Das Gewicht eines ausgewachsenen Teddywidders beträgt 1300 bis 2000 g. Bei der Häsin beträgt das Idealgewicht 1600 bis 1900 g, beim Rammler liegt es zwischen 1500 und 1800 g. In Bau und Form sollen sie den typischen Zwergwidder darstellen und dem Standard des Zwergwidders entsprechen. Sie sind kurz und gedrungen. Ihre Schultern sind breit und von mittlerer Höhe. Sie haben einen wuchtigen, von vorn bis hinten gleichmäßig breiten, kurzen Körper mit gut abgerundetem Becken sowie kurzem und kräftigem Nacken. Ihre Läufe sind kurz und nicht zu fein. Die Rückenlinie zeigt sich schön geschwungen. Der Kopf der Teddyzwergwidder ist deutlich als Ramskopf ausgebildet, d. h. im Profil lässt sich eine deutliche Wölbung an Stirn und Nasenpartie erkennen. Außerdem ist der Kopf kurz, kräftig, ausgeprägt und mit breiter Schnauzenpartie sowie ausgeprägten Kinnbacken. Im Vergleich zum Körper ist der Kopf wuchtig und auffällig. Bei Häsinnen sieht der Kopf etwas schnittiger aus. Ansonsten unterscheiden sich Häsin und Rammler aber nur sehr wenig.

Eine Besonderheit der Teddywidder sind die Kronen. An den Ansätzen der Ohren befinden sich Wülste, die diesen Namen tragen.

Die Ohren hängen hufeisenförmig vom Kopf herab, die Schalenöffnungen sind nach ihnen gerichtet. Als ideale Länge der Ohren werden von Ohrspitze zu Ohrspitze 24 bis 26 cm angesehen. Die Augen sollten dunkel sein. Blaue Augen sind ebenfalls erlaubt.

Geschichte der Rasse

Teddyzwerge Jungtiere

Teddykaninchen sind sehr junge Züchtungen und werden ausschließlich von Liebhabern als Heimtiere gehalten, die Rasse ist weder vom ZDRK Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter noch vom BDK (http://bdk-kaninchenzucht.de/ Bund Deutscher Kaninchenzüchter) anerkannt. In letzterem Verband sind die Teddykaninchen jedoch seit 2009 als Neuzucht zugelassen. In der Tschechischen Republik und in Schweden laufen die Anträge zur Aufnahme in den Verbandsstandard. Als erster Verband hat Portugal die Teddykaninchen anerkannt. Die genaue Entstehung und Herauszüchtung der Teddykaninchen ist im Einzelnen nicht mehr nachzuvollziehen.

Man geht davon aus, dass die Teddykaninchen, wie alle Langhaarrassen, im Ursprung aus verschiedenen Einkreuzungen mit Angorakaninchen entstanden sind. Den Fellkeil verdanken die Teddykaninchen ursprünglich dem französisch/belgischen Bartkaninchen (in Frankreich ist dieses unter dem Namen „le lapin-lion“ – Löwenkaninchen bekannt), welches mit Farbenzwergen gekreuzt wurde.

Auch die Löwenzwerge, ursprünglich eine Kreuzung von Fuchszwergen und Farbenzwergen, die in den Anfängen noch keinen Keil aufwiesen, sind durch die Einkreuzung von Bartkaninchen auch zu “Keilträgern”, allerdings spalterbig, geworden.

In diese anfänglichen Löwenzwerge wurden bald darauf noch Jamora und auch belgische/französische Angorazwerge mit eingekreuzt. Daraus entstanden zuerst die Angoralöwenzwerge (ebenfalls spalterbig hinsichtlich des Fellkeils). Ende des 20. Jahrhunderts tauchten dann die ersten Teddykaninchen, also Langhaarzwergkaninchen mit Fellkeil, der sich bei Reinzucht (TZ x TZ) reinerbig weitergibt, in den Würfen bei verschiedenen Züchtern auf. Die Bezeichnung Teddykaninchen schuf der 2004 in Deutschland eigens für diese Neuzüchtungen gegründete Teddykaninchenclub. Mittlerweile gibt es deutschlandweit über 170 registrierte Teddykaninchenzüchter und dazu weitere, nicht organisierte Halter.

Die Teddykaninchen haben längst über Deutschland hinaus Einzug in fast alle europäischen Länder gehalten, in vielen gibt es inzwischen Teddyclubs, die teilweise auch den Kaninchen- oder Kleintierzuchtorganisationen beigetreten sind.

Literatur

Weblinks

QUELLE: WIKIPEDIA


Steen-Kaninchen

Das Steen-Kaninchen (Niederländisch Steenkonijn, auch Steinkaninchen) ist eine kleine belgische Kaninchenrasse. Steen-Kaninchen ähneln in Farbe und Gestalt dem Wildkaninchen, sind mit einem geforderten Gewicht 2–3 kg aber etwa ein Kilogramm schwerer als dieses. Die in Deutschland nicht anerkannte Kaninchenrasse wird in den Farbschlägen wild-, hasen- und steingrau gezüchtet.

Geschichte der Rasse

Das Steen-Kaninchen wurde in Flandern im 19. Jahrhundert als Schlachtkaninchen zum Export nach England gezüchtet, seinen Namen verdankt es der flämischen Maßeinheit “Steen” (“Stein” etwa 3,5 kg), die in etwa dem Lebendgewicht der Schlachtkaninchen entsprach. Die damaligen Steenkaninchen sind somit als Landrasse zu betrachten Der Export flandrischer Schlachtkaninchen nach England brach ein, als tiefgekühltes Kaninchenfleisch aus Australien verfügbar wurde, die Zucht der Steenkaninchen nahm ab und die Rasse verschwand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts fast vollständig. Zu dieser Zeit begann der belgische Kaninchenzüchter und Preisrichter Delounois, die Rasse vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. Basierend auf einem Rammler, den er auf einer Ausstellung in Hornu erwarb und einer diesem Rammler ähnelten Häsin, baute er die Rasse neu auf. 1932 zeigte Delounois erstmals seine Steen-Kaninchen auf einer Ausstellung, am 12. Juni 1934 wurde die Rasse in Belgien anerkannt.

Ähnliche Rassen

Farblich entspricht dem Steenkaninchen dem Grauen Wiener, der jedoch deutlich größer wird. In Größe und Form vergleichbar ist das Deilenaar-Kaninchen, dass allerdings eine rotbraune, dem Hasenkaninchen gleichende Fellfarbe zeigt.

Literatur

  • Fritz, P. Kaninchenrassen aus Belgien – faszinierend und kaum bekannt, Teil 2, Deutscher Kleintierzüchter – Kaninchen,12/2006, S.14/15; ISSN 1613-6357
  • Verhoef-Verhallen, E. Kaninchen – und Nagetierenzyklopädie, Dörfler Fauna & Flora, ISBN 3-895-55073-6

Siamesenkaninchen

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Das Siamesenkaninchen ist eine kleine Kaninchenrasse mit einem Gewicht von 2,5 bis 3,25 kg.

Siamesenkaninchen

Aussehen

Das Siamesenkaninchen gleicht in der Färbung und Fellzeichnung der bekannten Siamkatze, nach der es auch benannt ist. Unter den Kaninchenrassen ähnelt das Siamesenkaninchen den Marderkaninchen, mit denen es eng verwandt ist. Man findet beim Siamesenkaninchen die gleiche Zeichnung, allerdings ist die Grundfarbe der Siamesen hell, fast cremefarbig. Wie bei den Marderkaninchen zieht sich über den Rücken ein etwa 8 cm breiter, nicht scharf abgegrenzter leicht dunklerer Streifen. Dieser Streifen beginnt etwa dort, wo die auf den Rücken gelegten Ohren des Tieres enden. Auch Läufe und Blume sind dunkel gefärbt, dabei soll die dunkle Farbe der Läufe über das Sprunggelenk reichen. Die Kopfzeichnung umfasst die Maske, die die Schnauze dunkel färbt; die Augen sind dunkel eingefasst. Die Ohren sind ebenfalls dunkel gefärbt, der Ansatz ist gut sichtbar. Unterhalb der Augen befindet sich der Backenpunkt, aus dem immer ein Tasthaar hervorgeht. Durch die Maske, Augeneinfassung und die Ohrenfärbung bildet sich auf der Stirn der Tiere das so genannte Marderkreuz, zwei sich kreuzende helle Streifen, die sich zwischen Augeneinfassung und Ohrenansätzen quer über die Stirn und von der Maske bis in das Genick ziehen.
Siamesenkaninchen werden fleischfarben geboren; die typische Färbung entsteht über eine Zeit von mehreren Wochen bis Monaten. Die Zeichnung entwickelt sich meist ab dem 5. Lebensmonat. Siamesenkaninchen haben ihre Ausfärbung und Zeichnung nur über einen gewissen Zeitraum. In der Regel sind korrekt gezeichnete Siamesen nur über wenige Wochen bis Monate zu erhalten. Die Tiere färben sich dann schnell nach und werden dann immer dunkler.

Genetisch handelt es sich bei den Siamesenkaninchen um gelbe Marderkaninchen; sie zeigen deshalb den gleichen, beim Marderkaninchen beschriebenen, intermediären Erbgang. Siamesenkaninchen sind in den Farbschlägen blau- und gelbsiam anerkannt. Die entsprechenden Erbformeln lauten:

  • Gelbsiam::ambCDg/ anbCDg (Deutsche Symbolik) bzw. aBcchi3De/aBch3De (Englische Symbolik)
  • Blausiam: ambCdg/ anbCdg (Deutsche Symbolik) bzw. aBcchi3de/aBch3de (Englische Symbolik)

Wie beim Marderkaninchen kann anstelle des Russenfaktors auch der Albinofaktor vorliegen.

Geschichte der Rasse

Siamesenkaninchen wurden mehrmals gezüchtet.

Bereits Joppich erwähnt, dass ihm aus den von Emil Thomsen übernommenen Beständen der Marderkaninchen wiederholt Tiere mit der Färbung der Siamkatze fielen, die er als Deutsche Siamesen (zur Unterscheidung von den zeitgleich in England aufgetretenen Siames Rabbits) bezeichnete. Allerdings scheint es sich bei der englischen (ebenfalls wieder verschwundenen) Rasse nicht um Siamesen im heutigen Sinne, sondern um sehr helle Marderkaninchen gehandelt zu haben.
Da Thomsen für seine Zuchtversuche auch Thüringer verwendete, trugen die Marderkaninchen offenbar die entsprechende Erbanlage. Joppich berichtete über diese Siamesenkaninchen auch dem Genetiker Hans Nachtsheim, der sich mit den Fellfarben des Kaninchens beschäftigte. Nachtsheim schrieb am 2. Juli 1934 an Joppich (zitiert nach Kapp, 1998):

„Die Mitteilung über Ihre Deutschen Siamesen waren für mich ebenfalls sehr interessant. Ihrer Erbbeschaffenheit nach sind diese Tiere «Madagaskarfarbige Marder». Ich habe sie vor einigen Jahren auch schon gezüchtet, muß allerdings gestehen, daß ich mich nicht recht für diesen Typ begeistern konnte. Aus diesem Grunde habe ich gesagt, daß bei der Kreuzung von Mardern mit Thüringern nichts Rechtes herauskommt. Ein Bild meiner damals gezüchteten Tiere lege ich bei. In meiner 1929 veröffentlichten Arbeit «Die Entstehung der Kaninchenrassen im Lichte ihrer Genetik» finden Sie sogar ein buntes Bild meiner gelben Marder.“

Im Laufe der Zeit verschwanden die von Joppich gezüchteten Siamesenkaninchen wieder.

Erst im Laufe der 1960er und 1970er Jahre erwachte das Interesse an den Siamesenkaninchen von neuem. Es kam offenbar zu einer parallelen Herauszüchtung in der Tschechoslowakei und in der DDR.

1966 entschloss sich der tschechische Kaninchenzüchter Jaroslav Fingerland, Siamesenkaninchen neu herauszuzüchten. Er setzte dafür einen Thüringer-Rammler und zwei braune Marderhäsinnen ein. Unter den in der F2-Generation möglichen 18 verschiedenen Genotypen sollten auch reinerbige und typgerechte Gelbsiamesen sein; Fingerland erreichte die gesuchten Tiere in der F3-Generation und stellte die wiedergezüchteten Siamesenkaninchen 1972 in Brünn vor.

In der DDR wurden Siamesenkaninchen ab 1973 von Joachim Kapp in Triebes gezüchtet. Der Züchter verwendete für seine Versuche Marder-, Russen- und Thüringerkaninchen. Zur Verbesserung der gelben Färbung kreuzte er zusätzlich noch Sachsengold ein. Der blaue Farbenschlag des Siamesenkaninchens konnte auf der 23. Bundesschau in Nürnberg vorgestellt werden.

In der Tschechoslowakei kam es ab 1985 zur Entwicklung eines großen Siamesenkaninchens, entsprechend dem Groß-Marder. Züchter dieser Rasse waren Medek aus Kuřim, Ridky aus Slatiňany und L. Krejcova aus Průhonice. Sie verwendeten für ihre Versuche Kreuzungstiere aus Großmarder × Thüringer sowie Thüringer × Kalifornier. Die Großsiamesen konnten erstmals 1992 in Brünn gezeigt werden; die Anerkennung im tschechischen Standard erfolgte 1993. Ab 1996 erzüchteten Ridky und Vesely den blauen Farbenschlag der Großmarder aus blauen und madagaskarfarbigen (thüringerfarbigen) Kaliforniern, reinerbigen großen Blaumardern und großen Gelbsiamesen. Parallel wurden auch Zuchtversuche mit anderen Rassen (z. B. Blauen Wienern) gemacht; diese führten ebenfalls zum gewünschten Ziel. Der blaue Farbenschlag des Großsiamesen wurde 1998 in Brünn gezeigt.

Ähnliche Rassen

Der siamesenfarbige (blau und gelb) Farbenschlag ist auch bei Farbenzwergen und Zwergwiddern anerkannt.

Genetisch sehr ähnlich ist das bereits erwähnte Marderkaninchen.

Das ähnlich aussehende Sallander ist eine niederländische Rasse, die von D.J. Kuiper aus der Gegend Salland gezüchtet wurde. Genetisch handelt es sich um eine Kombination des Thüringers mit dem Chinchillafaktor.

Die Abzeichen des Russenkaninchens sind scharf abgegrenzt.

Literatur

  • W. Schlohlaut: Das große Buch vom Kaninchen. 2. Auflage, DLG-Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 3-7690-0554-6
  • F. Joppich: Das Kaninchen, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1967
  • J. Kapp: Das Siamesenkaninchen. In: Kaninchen 11/1998, ISSN 0941-0848
  • J. Kapp: Seltene Siamesen im Blickpunkt. In: Der Kleintier-Züchter-Kaninchen, 2/2006, ISSN 1613-6357
  • J. Fingerland: Großsiamesen. In: Kaninchen, 4/2000, ISSN 0941-0848
  • A. Fischer: Siamesenkaninchen. In: Der Kleintier-Züchter-Kaninchen, 15/2006, ISSN 1613-6357



Separatorkaninchen

Das Separatorkaninchen ist eine kleine, etwa 3–3,75 kg schwere Kaninchenrasse.

Separatorkaninchen

Aussehen des Separatorkaninchens

Das Separatorkaninchen ist von charakteristischer sandgrauer Färbung und fahlblauem Anflug an Kopf, Ohren, Läufen und Unterseite. Das Separatorkaninchen ist, was seine Fellfarbe betrifft, die rezessivste Kaninchenrasse, d. h., sie trägt bis auf den Faktor A (international C) alle anderen Faktoren für die Fellfarbe in der rezessivsten Form. Aus diesem Grund kann man das Separatorkaninchen zu Prüfung auf Reinerbigkeit einsetzen. Auf diese Eigenschaft bezieht sich der Name der Rasse, der von lateinisch separare (auswählen) abgeleitet wird.
Die entsprechenden Erbformel lautet: Abcdg (Deutsche Symbolik) bzw. abCde (Englische Symbolik)

Es wurden mindestens drei Rassen dieser Farbe parallel in den Niederlanden, Tschechien und Deutschland gezüchtet, die sich lediglich in der Größe etwas unterscheiden. Diese Parallelentwicklung muss vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Teilung Europas gesehen werden, die den Kontakt zwischen den Züchtern in den verschiedenen Ländern sehr stark behinderte.

Geschichte der sandfarbenen Kaninchen

Die Möglichkeit, ein bezüglich seiner Fellfarben rezessives Kaninchen zu züchten, wurde erstmals durch die Arbeiten von Hans Nachtsheim 1936 beschrieben, der es nach dem Institutsstandort Berlin-Dahlem als „Dahlemer Sandfarbenes Kaninchen“ bezeichnete. Als Rasse wurde es damals nicht anerkannt. Nachdem Nachtsheim die Möglichkeit, dieses Kaninchen zu züchten, beschrieben hatte, setzten in verschiedenen Ländern parallele Bemühungen ein, eine solche Rasse zu entwickeln.

Beige

In den Niederlanden begann F. J. Brinks 1940 damit ein sandfarbenes Kaninchen aus Gouwenaar, einer farblich dem Marburger Feh ähnelnden Rasse (Erbformel ABcdg bzw. abCdE) und einfarbigen Tieren aus isabellfarbigen Englischen Schecken (Erbformel AbCdg bzw. aBCde). Theoretisch sind bereits in der F 2 Generation sandfarbene Tiere zu erwarten, die, wenn sie in den Würfen fallen, diese Farbe aufgrund ihrer Eigenschaften dann auch rein weitervererben. Diese Rasse wurde 1949 in den Niederländischen Standard unter dem Namen „Beige“ aufgenommen.

Tschechische Löser

In Tschechien entwickelte Jaroslaw Fingerland einen Plan zur Züchtung einer entsprechenden Rasse, der dann von Vaclav Pem aus Dolany umgesetzt wurde. Die tschechischen Züchter begannen 1955 mit der Arbeit, als Ausgangsrassen wählten sie Thüringer (Erbformel AbCDg bzw. aBCde) und Marburger Feh (Erbformel ABcdg bzw. abCdE). Nach Angaben von Fingerland erfolgte sowohl Kombinationszüchtung der F1 und F 2 – Generation als auch Rückkreuzung der F1 und F 2 an Marburger Feh. Da Pem die Möglichkeit hatte, mit einer großen Zahl von Tieren zu arbeiten, erreichte er das sandfarbige Kaninchen bereits 1958. 1959 erfolgte in der Tschechoslowakei die Anerkennung unter dem von Fingerland vorgeschlagenem Namen Tschechische Löser (Český luštič).

Separatorkaninchen

1959 begann der deutsche Züchter Otto Grützmann aus Dessau-Alten ebenfalls mit der Herauszüchtung einer sandfarbenen Rasse. Er arbeitete mit Kaninchen der kleinen Rassen und stellte 1964 in Dessau die ersten Separatorkaninchen vor, beantragte die Anerkennung als Rasse aber erst 1973. In diesem Jahr und auch 1974 wurden die Tiere erneut in Leipzig gezeigt, aber nicht zugelassen. Für die DDR erfolgte die Zulassung einer sandfarbenen Rasse 1980 in Form der Tschechischen Löser mit den „Bewertungsbestimmungen für Rassekaninchen in sozialistischen Ländern“. Das Separatorkaninchen wurde 1989 vom Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter als Rasse anerkannt.

Ähnliche Rassen

Neben den drei bereits genannten Rassen gibt es auch Farbenzwerge im Farbschlag separatorfarbig.

Der Thüringer zeigt bei viel dunklerer Deckfarbe ähnliche Abzeichen wie die sandfarbenen Rassen.

Literatur

  • W. Schlohlaut: Das große Buch vom Kaninchen. 2. Auflage, DLG-Verlag, Frankfurt, 1998, ISBN 3-7690-0554-6
  • W. Schlohlaut: Standard van de in Nederland erkende Konijnenrassen, Cavia´s en kleine Knaagdieren. Nederlandse Konijnenfokkersbond, Venlo, 1990
  • Fingerland, J.: Die Tschechischen Löser, Kaninchen, 11/1999, ISSN 0941-0848
  • Franke, A.: Separator, Kaninchen, 3/1999, ISSN 0941-0848

QUELLE: WIKIPEDIA

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